Musik und Architektur

Der Klang wird ein zusätzliches Element des Projektes für die Definierung des Raumes, seiner Verwendbarkeit, seines Verlaufes und seiner Funktionalität.

Normalerweise wird die Architektur als jene Kunst ausgelegt, sachgerechte Anordnung von Masse in verschiedenen Formen im Raum, die sich der menschlichen Körperlichkeit zu Verfügung stellt, indem sie ein finalisiertes Ambiente mit vordefinierter Bestimmung (wohnen, arbeiten, verbinden von Flussufern, sich in einer Stadt bewegen, usw.) anbietet.

Ebenso wird die Musik als jene Kunst ausgelegt, sachgerechte Anordnung von Energie in verschiedenen Formen (über Klangwellen) in der Zeit, die sich der menschlichen Psyche zur Verfügung stellt, indem sie ein Ambiente, eine finalisierte Atmosphäre mit vordefinierter Bestimmung (unterhalten, erschüttern, erschrecken, tanzen usw.) anbietet.

Die Architektur spielt sich im Raum ab, wo sie über Masse verfügt, im Dienste des Körpers – gemäss den Plänen des Projektes. Die Musik spielt sich in der Zeit ab, wo sie über Energie verfügt, im Dienste der Psyche – gemäss den Plänen der Partitur. Zwei ähnliche und gemeinsam existierende Künste aus deren Verbindung der Architekt Christian Rivola vom atelier ribo+, in Synergie mit dem Klangexperten und Musiker Filippo Rosini, neue „Klanglandschaften“ projektiert/experimentiert, dank derer das Territorium mittels einer neuen Herangehensweise promotet wird.

Jede Landschaft besitzt einzigartige und unverwechselbare Töne, sogenannte „Klang-Abdrücke“, die eine Kultur beschreiben und die, zusammen mit anderem menschlichen Ausdruck, zur Kreation einer lokalen Identität beitragen. Worte und Gebäude mit absolut historischem und hochgeschätztem Wert können somit auch von einem akustischen Gesichtspunkt her aufgewertet werden. Durch einen Gesichtspunkt, der als „Klanglandschaft“ definiert wird oder besser als die akustisch-sonore Darstellung all dessen, was uns in diesem Moment umgibt. Dieser neue Ansatz gegenüber dem Territorium erlaubt es uns, einen sensorischen Kanal wieder zu entdecken, den die westliche Kultur tendenziell immer mehr ausgrenzt. Über die Anwendung von Klanglandschaften können demnach Bilder und Emotionen hervorgerufen werden, die die blosse Ansicht nicht zu vermitteln fähig ist. Man wird ein sonores Universum wie ein neues Orchester wahrnehmen, wie ein zusätzliches Element der Wahrnehmung und der Definition eines Ortes oder eines Territoriums, an und in dem diese Klangabdrücke erhalten worden sind.

 

 

 

Photo © Copyright Davide Stallone